Interessante Bauarbeiten im Kloster Flechtdorf

Die Baumaßnahme 2009 kann vermutlich vor Einbruch des Winters abgeschlossen werden.
 
Im ehemaligen Benediktinerkloster Flechtdorf haben die Bauarbeiten zur Sanierung und Umnutzung der Klostergebäude begonnen. Im ersten Bauabschnitt konzentrieren sich die Arbeiten auf Remise, Abtshaus. und das Dachgeschoss des Westflügels. Neben der geplanten Umnutzung der Gebäude muss die Sicherung der vorhandenen Bausubstanz erfolgen. In Begehungen wurde die gesamte Bausubstanz begutachtet und besonders gefährdete Bereiche für Besucher gesperrt. Die Jahrzehnte lange Vernachlässigung hat den positiven Nebeneffekt, dass der im 12. Jahrhundert begonnene Bau und die bis ins 20. Jahrhundert reichenden Umbauten weitgehend authentisch erhalten und von „Modernisierungen“ verschont geblieben sind.
Der heute vorhandene Gebäudebestand
 
Dank der Bewilligung von 100.000 Euro aus dem Sonderfond für gefährdete Baudenkmale nationaler Bedeutung des Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung konnten erste Baumaßnahmen begonnen werden. Das Land Hessen unterstützt dies mit weiteren 100.000 Euro, 25.000 Euro legt die Stiftung Denkmalschutz in diesem Jahr hinzu. Mit weiteren 15.000 Euro aus Eigenmitteln konnte ein beachtliches erstes Paket von Maßnahmen in Angriff genommen werden. Die Arbeiten haben leider erst spät im Jahr begonnen und stehen unter einem hohen Zeitdruck, weil die im Mai bewilligten Fördermittel bis Ende Oktober verausgabt sein müssen.
 

Das Dach wird neu eingedeckt

                       Das Dach wird wieder neu eingedeckt
 
In die Planung und Umsetzung von Baumaßnahmen an Baudenkmalen sind die zahlreiche Fachleute eingebunden. Neben Architekt und Statiker wirken Denkmalpfleger, Archäologe, Bauforscher, Restaurator oder Sachverständige für Holzschutz, Steinkonservierung und Brandschutz mit. Verzögerungen treten auf wenn bestimmte Dinge im Vorfeld der Planung nicht erkennbar waren oder sich ganz neue Tatbestände ergeben. Insgesamt erhoffen wir uns trotz Mehrkosten für Planung und Forschung ein besseres Ergebnis in der Umsetzung verbunden mit geringeren Baukosten.
 
Die Umnutzung der ehemaligen Klostergebäude ist für alle Beteiligten ein interessanter Prozess mit komplexen Aufgaben. Wegen besonderen Anforderungen und beschränkter finanzieller Ressourcen kann das nur schrittweise umgesetzt werden. Die Aufgaben bei der Restaurierung in den über 300 Jahre alten Dachstühlen aus Eiche erfordern von den beteiligten Handwerkern hohe Kompetenz, Sachverstand und zügiges Arbeiten. Aber auch die "geringerwertige" in Fichtenholz ausgeführte Fachwerkkonstrulktion der Remise stellt wegen der zahlreichen Schädigungen hohe Ansprüche bei den Reparaturen. Alle Gewerke werden durch den Architekten ausgeschrieben, dabei werden möglichst Unternehmen aus unserer Region berücksichtigt werden, die Erfahrung in der Denkmalpflege besitzen.
 
Als der Förderverein die Klostergebäude 2007 ersteigerte, lagen keine Pläne des Gebäudebestandes vor. Übersichtspläne aller Gebäudeteile wurden für erste Planungen erstellt. Für die weiter Planung, Erfassung und Kartierung von Schäden wird ein verformungsgerechtes Aufmaß mit hoher Detailgenauigkeit erstellt. Dankenswerterweise hat die Fachhochschule Gießen-Friedberg im Juli in einem praktischen Übungsprojekt Rentmeisterhaus und Südflügel aufgemessen und die Pläne dem Förderverein kostenlos zur Verfügung gestellt.
 
Die Bauhistorische Untersuchung von Abtshaus und Mauerresten in der Remise brachte neue, bisher unbekannte, Fakten ans Licht. Danach handelt es sich beim Abtshaus um ein ehemaliges Klostertorhaus aus dem 12. Jh. das im 16. Jh. zu Wohnzwecken, vermutlich für den Abt, umgebaut wurde. Neben den ältesten Bauteilen des West- und Südflügels besitzt das Kloster Flechtdorf damit eine weitere Rarität, die in dieser Form in Deutschland kaum noch zu finden ist.
 
In Remise, Abtshaus und dem ehemaligen Kuhstall ist das Informations- und Begegnungszentrum geplant. Günstig am Diemelsteig und Landeshospital gelegen soll hier Gästen, Wanderern und interessierten Besucher ein informativer Anlaufpunkt mit Restaurationsmöglichkeit angeboten werden. Das Infozentrum soll auch mit Mitteln der LEADER Region Naturpark Diemelsee gefördert werden. Die Gemeinde Diemelsee und der Landkreis Waldeck- Frankenberg unterstützen dieses Vorhaben mit Fördermitteln.
 
Der geplante Durchbruch zweier Öffnungen zwischen Remise und Kuhstall zur geplanten Küche und Toilette stieß auf den Einspruch der Denkmalpflege. Nach eingehender Untersuchung der 480 Jahre alten Wand durch einen Restaurator traten neue überraschende Merkmale zutage. Es gab bereits zwei in verschiedenen Epochen wieder zugesetzte Öffnungen, von denen eine für einen neuen Durchgang nutzbar ist. Auch die geplante Erschließung des Obergeschosses des Abtshauses durch einen Treppenaufgang war bereits im 16. Jh. in ähnlicher Weise realisiert. Diese und weitere zu erwartende Entdeckungen gilt es für künftige Besucher erlebbar zu machen.
 
Seit 2008 besichtigen ohne jegliche Werbung über 1000 Besucher pro Jahr das ehemalige Kloster in Begleitung kompetenter Führer des Fördervereins. Darunter finden sind auch Gruppen aus Schule, Kindergarten  und Konfirmanden. Gerade bei Führungen mit jungen Besuchern wird ein geeigneter Arbeitsraum besonders vermisst, der mit dem Infozentrum in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen wird.
 
Alle Beteiligte setzen sich mit großem Engagement dafür ein das Kloster Flechtdorf zu einem Leuchtturm der Denkmalpflege und einem touristischen Anziehungspunkt in der Region zu entwickeln, dafür sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön gesagt.