Gründung des Klosters Flechtdorf

Horhusen weh! Graf Erpo schwur:
„Das Nest leg ich in Asche!“
Und auf des frevlen Schwures Spur
eilt schon die Tat die rasche.
 
Schon steht der Graf vor eurem Tor,
Zorn im Gesicht, dem kalten;
denn was der Padberg je beschwor,
ihr wißt’s er pflegt’s zu halten.
 
Wie Schafe, die vom Wolf gescheucht
zusammen eng sich drängen,
der Bürger in die Kirche fleucht,
es drängt sich in den Gängen.
 
Da! Auf den Kruzifixus weist,
eine Alter, voll von Harme,
und vom Altar das Kreuz er reißt,
hebt’s hoch auf schwachem Arme.
 
„Das halten wir dem Wüterich vor
und flehen um Erbarmen;
neigt Christus selbst sich unserm Ohr,
mag auch ein Mensch sich barmen!“
 
Er eilt voran und seinem Tritt
folgt alles Volk mit Klagen,
und vor den Graf mit festen Schritt
tät er das Holzkreuz tragen.
 
Er hält ihm vor das Christusbild
mit flehender Gebärde
da reckt sich hoch der Padberg wild
und greift zum scharfen Schwerte.
 
Er schwingt es jäh! Scheut er den Mord
nicht an dem Gottessohne?
Ein Splitter hier, ein Splitter dort –
zerhaun die Dornenkrone.
 
Im selben Augenblicke sinkt
die Schwerthand kraftlos nieder,
und krampfhaft um den Schwertknauf
schlingt sich matt der Finger Glieder.
 
Und nicht zum zweiten Male hebt
der Graf die scharfe Waffe.
Das Auge stier, von Schreck belebt,
schaut auf die Hand, die schlaffe.
 
Des Höchsten Strafe folgt, er fühlt’s
dem Frevel auf dem Fuße,
und in ihm wogt’s und wurmt’s und wühlt’s
verlangt’s nach Sühn und Buße.
 
Das Kloster Flechtdorf an der Aar
baut er in Seelennöten;
dort mag der frommen Mönche Schar
für seine Seele beten.
 
Christian Fleischhauer